Rohe Ästhetik

Ich rücke in dieser Serie den männlichen Körper ins Zentrum – inspiriert von den bekritzelten Wänden öffentlicher WCs der 90er. Was einst als eklig galt, erscheint mir heute als roher, ungefilterter Ausdruck: Worte, Zeichnungen, derbe Sprüche als Spiegel unserer Gesellschaft. In einer Kultur der perfekten Oberflächen sehne ich mich nach Unvollkommenheit.

Formal greife ich diese Rohheit auf: Schichten, Kratzer, Textfragmente und bewusste Unsauberkeiten prägen die Bildflächen. Zwischen Lücken, Übermalungen und Spuren entsteht Raum für Projektion – ein offener Dialog mit der Betrachtung.

Meine Figuren verkörpern den Zwiespalt: Stärke und Verletzlichkeit, Macht und Ohnmacht. So entsteht ein Gespräch zwischen Ekel und Schönheit, das zeigt: Im Alltäglichen und Chaotischen wird unsere gemeinsame Menschlichkeit sichtbar – wenn wir den Mut haben, Widersprüche zuzulassen.

Kurzthese: Zwischen Ekel und Schönheit liegt das Authentische; meine Kunst macht diesen Raum sichtbar.

Der Badende

  • 2014

    Der Badende

    Acryl und Kohle auf Leinwand

    120 × 100 cm

  • In dem Bild Der Badende wird eine tief berührende Szene eingefangen, die den Betrachter sofort in ihren Bann zieht. Im Mittelpunkt sehen wir eine Person, die in einer kalten Wanne sitzt, sich zusammengekauert hat und die Knie festhält. Ihr Kopf ruht in einer gebeugten Haltung, und der Ausdruck auf ihrem Gesicht zeigt pure Traurigkeit und Verwundbarkeit. Es ist, als ob sie in einem Moment des tiefsten Schmerzes gefangen ist.

    Um sie herum ist die Welt ein chaotisches Durcheinander. Die Wände sind mit wirren, bunten Schriftzügen besprüht, Worte, die anscheinend aus der Seele der Person kommen. Diese Texte erzählen von inneren Kämpfen und unausgesprochenen Gedanken, die in der Stille des Raumes laut schreien. Doch während diese düstere Stimmung herrscht, steht rechts in der Ecke eine Badewanne. Hier ist ein Ort, der normalerweise Ruhe und Entspannung verspricht, aber in diesem Bild scheint alles anders.

    Und plötzlich entdeckt man sie im Vordergrund: eine pinke Gummiente. Dieses scheinbar fröhliche, verspielte Wesen steht in starkem Kontrast zu dem Traurigen, das sich im Rest des Bildes entfaltet. Wie passt dieses Symbol für Kindheit und Unbeschwertheit in diese verzweifelte Szene? Es ist fast so, als ob die Gummiente die Erinnerung an bessere Zeiten repräsentiert, die sich versteckt hinter dem Schleier der Einsamkeit.
    Der Boden ist mit einem auffälligen schwarz-weissen geometrischen Muster bedeckt, das die Spannung im Raum zusätzlich verstärkt. Es ist, als ob alles in diesem Bild miteinander verwoben ist, Freude und Trauer, Kindheit und Erwachsensein, und die Widersprüche machen die Szene umso geheimnisvoller.

    Warum ist das Bild so kraftvoll? Vielleicht, weil es uns dazu zwingt, über unsere eigenen inneren Kämpfe nachzudenken. Zeigt es uns nicht, dass wir alle Momente der Verletzlichkeit kennen und doch einen Hauch von Unschuld in uns tragen? Der Badende ist nicht nur ein Bild; es ist eine Einladung, in die tiefsten Ecken unserer Emotionen einzutauchen und die Schatten und Lichter zu akzeptieren, die uns zu dem machen, was wir sind.

Schubladisierte Normen

  • 2013

    Schubladisierte Normen

    Acryl und Kohle auf Leinwand

    100 × 80 cm

  • In einer Welt, die von stereotyper Erwartung geprägt ist, stehst du ein Individuum voller Widersprüche und Sehnsüchte. Das Bild eines muskulösen Mannes, der stark und verletzlich zugleich erscheint, spiegelt die innere Zerrissenheit wider, die viele von uns empfinden. Du kannst es in der U-Bahn spüren, wo der Druck, zu passen und die Normen zu erfüllen, erdrückend wirkt. Der orangefarbene Ziegelhintergrund ist die Gesellschaft, die Schubladen bereitstellt, während das Graffiti das Rebellentum derer repräsentiert, die den Mut haben, sie zu sprengen.

    Warum gibt es in deinem Alltag keinen Platz für das Andere? Während du mit Freunden bei einem Bier sitzt und über Beziehungen sprichst, brodelt die Unausgesprochene in der Luft: die geheimen Sehnsüchte, die Unfähigkeit, wahrhaftig zu leben. In dieser Kultur der Anpassung bist du gefangen und doch sehnst du dich nach Authentizität. Die Figur, eingehüllt in ein violettes Handtuch, symbolisiert den Kampf um Freiheit. Sie stellt die Frage: Kannst du deine eigene Wahrheit leben, ohne die Fesseln der gesellschaftlichen Normen zu spüren?

    Die Herausforderung liegt darin, diese Widersprüche zu umarmen. Du bist nicht der stereotype Körper, den die Gesellschaft liebt und fasst in klare Kategorien. Du bist vielschichtiger, ein faszinierendes Konstrukt von Ängsten, Wünschen und vor allem der Fähigkeit, verletzlich zu sein. Diese Verletztheit wird zum Symbol der wahren Stärke. Indem du den Mut aufbringst, deine innere Stimme zu hören und den Raum für deine Authentizität zu schaffen, brichst du die Ketten, die dich gefangen halten.

    Aber wie lange hält die Gesellschaft diese Konfrontation aus? Was passiert, wenn der Druck, um zu konfirmieren, ansteigt? Genau hier kommen die Widersprüche ins Spiel: Du bist Teil einer Gemeinschaft, die auf Akzeptanz pocht, doch auch eine, die Unterschiede als Bedrohung empfindet. Diese permanente Spannung erzeugt ein explosiv unerwartetes Spannungsfeld, in dem du nicht nur um dein eigenes Leben kämpfst, sondern auch um das Recht, echt zu sein.

    Indem du die Klischees abstreifst und den Schmerz akzeptierst, erweckst du die Kraft der Veränderung in dir. Die Fragen, die du dir stellst, sind das Brennglas deiner Identität. Der wahre revolutionäre Akt besteht nicht nur darin, gegen gesellschaftliche Normen anzukämpfen, sondern auch darin, deine eigene Wahrheit zu leben. Lass die Widersprüche von Stärke und Verletzlichkeit, von Anpassung und Authentizität, zu deinem Antrieb werden. Denn nur so kannst du die Mauern dieser vorgefertigten Realität einreissen und den Mut aufbringen, deine einzigartige Geschichte zu schreiben.

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die verborgenen

Erzählungen

hinter jedem

Bild

Verbotene Blicke

  • 2013

    Verbotene Blicke

    Acryl und Kohle auf Leinwand

    140 × 120 cm

  • Das Bild zeigt zwei Männer in einem öffentlichen WC, die vor ihren Urinalen stehen. Der Raum ist umgeben von bunten Graffiti, die wild und chaotisch auf den Wänden sprudeln. Diese lebendigen Farben und krakeligen Zeichnungen ziehen sofort die Aufmerksamkeit auf sich und machen die Szene spannend und gleichzeitig ungewöhnlich. Es ist ein Ort, der normalerweise nur für das Notwendigste gedacht ist, aber hier wird es zu einem künstlerischen Schauplatz, der viel über das Leben in der Stadt erzählt.

    In diesem Moment spüren die beiden Männer, wie Privatsphäre und Öffentlichkeit aufeinanderprallen. Einerseits haben sie das Gefühl, in einem geschützten Raum zu sein, wo sie ihre Dinge tun können. Andererseits gibt es diese ständige Präsenz des anderen, als würde man sich in einem schmalen Gang befinden, wo jeder Schritt und jeder Blick genau wahrgenommen wird. Es ist fast schon ein Spiel, bei dem das Bedürfnis nach Anonymität mit der Neugier auf den anderen kämpft. Wer würde nicht einen Blick riskieren? Aber die Angst vor dem Urteil des anderen hält viele zurück.

    Hier entsteht ein geheimnisvoller Widerspruch: Man könnte denken, in einem öffentlichen WC geht es nur um schnelle Bedürfnisse. Doch gerade in diesem Moment, in der banalsten Situation, zeigt sich die menschliche Natur in ihrer komplexesten Form. Die Neugier, die Scham, der Wunsch nach Nähe, all das brodelt unter der Oberfläche, während die Graffiti die Wand mit ihren eigenen Geschichten besprühen. Vielleicht sind diese Zeichnungen mehr als nur bunte Kritzeleien; sie erzählen von den Gedanken und Emotionen der Menschen, die diesen Raum betreten haben.

    In dieser Anonymität liegt eine seltsame Intimität. Man ist zusammen hier, aber doch allein in seinen Gedanken. Es ist fast so, als würde jeder Moment, den man gemeinsam teilt, ein Geheimnis bergen, das nie ausgesprochen wird. Ein kurzer Blick, ein flüchtiges Lächeln, und dann geht jeder wieder seinen eigenen Weg. Der Ort mag öffentlich sein, aber in diesem kleinen Raum gefüllt mit Kunst und menschlichen Gefühlen wird deutlich, dass jeder seine eigene Geschichte hat.

    So entsteht die Frage: Was denken diese Männer wirklich, während sie dort stehen? Und welche Geheimnisse trägt dieser Ort, der oft übersehen wird? In der Kombination von Alltag und Kunst, von Offenheit und Verbergen, zeigt sich, dass das öffentliche WC mehr ist als nur ein funktionaler Raum; es ist ein Ort voller Widersprüche und unerzählter Geschichten.

Die Illusion

der Eindeutigkeit:

Kunst,

die die Komplexität

des Lebens

widerspiegelt.

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Bunte Revolution

  • 2012

    Bunte Revolution

    Acryl auf Leinwand

    140 × 120 cm

  • Das Bild zeigt eine faszinierende Figur in einem lebhaften lila Kleid, die selbstbewusst vor einem beeindruckenden Hintergrund steht. Der Hintergrund ist voller dynamischer Farbschläge und urbaner Graffiti Kunst, die den Betrachter direkt in ihren Bann ziehen. Über all dem prangt der mutige Schriftzug Think Pink in strahlendem Weiss und Pink. Diese Farben leuchten förmlich und fordern uns auf, darüber nachzudenken, was es bedeutet, stark und individuell zu sein.

    Die männliche Figur in dem lila Kleid stellt eine starke Herausforderung an die traditionellen Vorstellungen von Männlichkeit dar. Wieso trägt er ein Kleid? In einer Welt, in der Farben und Mode oft mit Geschlechterrollen verknüpft sind, bricht er mit diesen Erwartungen und zeigt, dass Stärke nicht an Kleidung gebunden ist. Hier erleben wir einen Widerspruch, ein Mann voller Selbstbewusstsein, der ein feminines Outfit trägt. Ist das nicht spannend? Er vermittelt uns das Gefühl, dass wir alle vorwärts gehen können, ohne uns den Erwartungen anderer fügen zu müssen.

    Doch genau hier beginnt das Geheimnis. Die Figur strahlt nicht nur Kraft aus, sondern auch eine mysteriöse Aura. Ist sie eine Rebellin oder ein Held? Steht sie für einen Aufstand gegen die Normen oder für eine neue Art von Freiheit, die in der Gesellschaft oft fehlt? Der schillernde Hintergrund mit seinen lebhaften Farben und wilden Pinselstrichen erzählt von urbaner Kultur und der Suche nach dem eigenen Platz in dieser aufregenden Welt.

    Think Pink, was bedeutet das wirklich? Es geht nicht nur um eine Farbe, sondern um eine Haltung. Es ist ein Aufruf, gegen die Stille anzukämpfen, sich zu trauen, anders zu sein und die eigene Identität zu leben, egal wie provokant das auch erscheinen mag. Dieses Bild lädt uns ein, darüber nachzudenken, was Männlichkeit und Weiblichkeit bedeuten. Es zwingt uns dazu, unsere eigenen Ideen zu hinterfragen und offen für Vielfalt zu sein.

Ein Bild,

viele Dimensionen:

Wo die Geschichten der

Vergangenheit

lebendig

werden.

Widersprüche als

Ausdruck

der menschlichen

Erfahrung.